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„Wie viel Duftöl kommt da rein?" – das ist wohl die häufigste Frage von Einsteigern ins Kerzengießen. Und die kurze Antwort, „mehr ist nicht besser", überrascht viele. Jedes Wachs kann nur eine bestimmte Menge Duftöl aufnehmen; darüber schwitzt das Öl aus, der Docht verstopft und die Kerze kann unsicher werden. In diesem Ratgeber erfährst du, was die Duftölkonzentration ist, welche Prozentsätze bei den einzelnen Wachsen üblich sind, wie du die genauen Gramm berechnest und was eine Kerze wirklich gut duften lässt.
Was die Duftöl-Dosierung bedeutet
Die Dosierung (im Englischen „fragrance load") ist die Menge Duftöl, die du dem Wachs zugibst, angegeben in Prozent. 8 % bedeuten 8 g Duftöl pro 100 g Wachs. Jedes Wachs hat eine Höchstdosierung, die der Hersteller im Datenblatt angibt: die Menge, die es aufnehmen kann, ohne dass sich das Öl absetzt. Unter diesem Maximum zu bleiben ist eine Sicherheitsregel, nicht nur eine Qualitätsfrage.
Vorsicht vor einem weit verbreiteten Irrtum: Mehr Duftöl heißt nicht automatisch mehr Duft. Ab einem gewissen Punkt gibt das Wachs den Duft nicht besser ab. Was das Ergebnis wirklich verbessert, ist eine gute Abstimmung von Wachs, Docht und Duft, sorgfältiges Einrühren und ausreichend Reifezeit. Deshalb arbeiten viele erfahrene Kerzenmacher mit etwa 8 %, auch wenn ihr Wachs 10 oder 12 % verträgt.
Übliche Dosierung je nach Wachs
Die folgenden Werte sind Richtwerte. Maßgeblich ist immer das Datenblatt deines Wachses und deines Duftöls: Steht beim einen 10 % und beim anderen 8 %, gilt der niedrigere Wert.
| Wachs | Übliche Dosierung | Häufiges Maximum | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Container-Soja | 6-10 % | 10-12 % | Wird mit 1-2 Wochen Reifezeit deutlich besser |
| Raps | 6-10 % | 10 % | Hält Duft gut; braucht Geduld beim Reifen |
| Kokos-Mischungen | 6-10 % | 10-12 % | Sehr guter Heißduft |
| Paraffin | 6-10 % | 10-12 % | Starker Duftwurf, kurze Reifezeit |
| Palmwachs | 5-8 % | 10 % | Vor allem für Stumpen und Kristalleffekte |
| Stumpenwachs | 5-8 % | 8-10 % | Zu viel Duftöl macht Stumpen weich |
| Wachs für Duftmelts | 8-12 % | Laut Hersteller | Ohne Docht, verträgt etwas mehr Duft |
| Bienenwachs | 3-6 % | 6 % | Duftet selbst nach Honig; nimmt wenig Duftöl auf |
| Gelwachs | 3-5 % | Laut Hersteller | Nur gelgeeignete Duftöle verwenden |
So berechnest du die Duftölmenge
Die gängigste Formel ist einfach: Duftöl in Gramm = Wachs in Gramm × Prozentsatz. Für 200 g Wachs mit 8 %: 200 × 0,08 = 16 g Duftöl. Insgesamt gießt du also 216 g.
Manche Händler rechnen stattdessen mit dem Gesamtgewicht der fertigen Kerze. Dann sind es bei einer 200-g-Kerze mit 8 % 16 g Duftöl und 184 g Wachs. Der Unterschied ist klein, aber du solltest wissen, welche Methode dein Händler verwendet, wenn du Rezepte vergleichst. Machst du mehrere Kerzen auf einmal, rechne den ganzen Ansatz: 6 Gläser mit je 180 g Wachs ergeben 1.080 g, bei 8 % brauchst du 86,4 g Duftöl.
Zwei praktische Tipps: Duftöl immer wiegen, am besten mit einer digitalen Küchenwaage – Öle haben unterschiedliche Dichten, ein Milliliter ist also nicht gleich ein Gramm. Und jedes Rezept notieren. Wenn du nicht rechnen willst, liefert dir unser Duftölrechner die Gramm für Wachs und Öl passend zu deinem Gefäß.
Die ideale Dosierung finden
Wenn du ein neues Duftöl ausprobierst, gieße drei kleine Testkerzen im gleichen Glas mit dem gleichen Docht: eine mit 6 %, eine mit 8 % und eine mit 10 %. Beschrifte sie, lass alle gleich lange reifen und brenne sie an verschiedenen Tagen im selben Raum ab. Oft zeigt sich, dass die mittlere Variante genauso intensiv duftet wie die höchste, sauberer brennt und dabei Duftöl spart. Hast du den idealen Wert für einen Duft gefunden, notiere ihn zusammen mit Wachs und Docht – so kannst du ihn jederzeit wiederholen.
Bei welcher Temperatur kommt das Duftöl ins Wachs?
Duftöl verbindet sich am besten mit richtig heißem Wachs. Deshalb empfehlen die meisten Hersteller von Sojawachs eine Zugabe bei etwa 80-85 °C; andere Wachse arbeiten zwischen 70 und 85 °C. Gibst du das Öl in zu kühles Wachs, wird ein Teil nicht gebunden: Es bilden sich Tröpfchen auf der Oberfläche, Flecken oder eine Kerze, die kalt gut duftet, brennend aber kaum.
Nimm das Kännchen immer vom Herd, bevor du das Öl zugibst, und halte das beduftete Wachs nicht länger heiß als nötig. Langes Halten bei hoher Temperatur kann nämlich tatsächlich die leichten Kopfnoten verfliegen lassen.
Richtig rühren: zwei Minuten, die man riecht
Nach der Zugabe rührst du zwei volle Minuten langsam und gleichmäßig und streichst dabei Boden und Wände mit einem Silikonspatel ab. Nicht schlagen: Ziel ist eine gleichmäßige Verteilung, keine Luftblasen. Wenn du färbst, gib die Farbe vor dem Duftöl hinzu. Manche Wachse profitieren von einem zweiten, sanften Umrühren direkt vor dem Gießen – besonders, wenn du eine Weile gewartet hast, bis die Gießtemperatur erreicht ist.
Reifezeit: Hier entsteht der eigentliche Duft
In den Tagen nach dem Gießen kristallisiert das Wachs vollständig aus und schließt den Duft in seiner Struktur ein. Eine frisch gegossene Sojakerze kann schwach wirken und zwei Wochen später den ganzen Raum füllen. Als Richtwert: Pflanzenwachse ein bis zwei Wochen, Paraffin einige Tage bis eine Woche. Lagere die Kerzen abgedeckt, bei gleichmäßiger Temperatur und ohne direktes Licht. Alle Details findest du im Ratgeber zur Reifezeit von Kerzen.
Der Flammpunkt: Mythen und Fakten
Der Flammpunkt eines Duftöls ist die Temperatur, ab der sich seine Dämpfe bei Kontakt mit einer Flamme oder einem Funken entzünden können, gemessen unter Laborbedingungen. Er steht im Sicherheitsdatenblatt und ist vor allem für Transport, Lagerung und Handhabung relevant.
Der verbreitetste Mythos lautet, man müsse das Duftöl unterhalb seines Flammpunkts zugeben, sonst „verbrenne" es und verliere seinen Duft. Das stimmt nicht: Viele Duftöle haben Flammpunkte zwischen 60 und 90 °C und werden problemlos bei 80-85 °C zugegeben, denn im Gießkännchen brennt keine Flamme. Der Flammpunkt ist weder die Temperatur, bei der Duftöl verdampft, noch die, bei der es kaputtgeht.
Was für die Sicherheit wirklich zählt: Wachs nie über direkter Hitze erhitzen, die Höchstdosierung nicht überschreiten (ungebundenes Öl kann sich an der Oberfläche sammeln und die Flamme vergrößern), Öle fern von Wärmequellen lagern und das Sicherheitsdatenblatt lesen. Mehr dazu im Ratgeber Sicherheit beim Kerzengießen.
Ätherische Öle oder Duftöle?
Duftöle für Kerzen sind darauf ausgelegt, die Wachstemperaturen auszuhalten und einen gleichbleibenden Duft zu liefern; seriöse Händler stellen ein Sicherheitsdatenblatt und meist ein IFRA-Zertifikat bereit. Ätherische Öle sind natürlich, entfalten in Kerzen aber oft weniger Duft, ihre Zitrus-Kopfnoten verfliegen schnell und manche haben einen niedrigen Flammpunkt. Außerdem heißt „natürlich" nicht „allergenfrei": Auch ätherische Öle tragen CLP-Warnhinweise.
Wenn du ätherische Öle verwendest, wähle solche, die der Händler als kerzengeeignet ausweist, halte die Höchstmenge ein (wegen IFRA-Grenzen manchmal niedriger) und kombiniere flüchtige Noten mit Basisnoten wie Zedernholz, Patchouli oder Vetiver. Es lohnt sich, sie zuerst in Duftmelts zu testen: ohne Docht kannst du Düfte schnell vergleichen.
Typische Fehler beim Beduften
- Nach Augenmaß oder in Millilitern dosieren. Immer wiegen.
- Die Höchstdosierung überschreiten. Das Öl schwitzt aus, der Docht verstopft, die Kerze rußt.
- Duftöl in zu kühles Wachs geben. Es bindet schlecht, der Heißduft leidet.
- Den Docht nicht anpassen. Mehr Duftöl kann einen anderen Docht erfordern; mach immer einen Brenntest.
- Den Duft nach 24 Stunden beurteilen. Warte die Reifezeit ab.
- Alkoholhaltiges Parfüm oder Diffuser-Öl verwenden. Beides funktioniert in Wachs nicht.
Duftet deine Kerze nicht so, wie du es dir vorgestellt hast, hilft dir der Ratgeber Kerzenprobleme lösen bei der Ursachensuche. Und wenn du gerade erst anfängst, lies vorher den Leitfaden Kerzen selber machen.
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Häufige Fragen
Wie viel Prozent Duftöl kommt in Sojawachs?
Üblich sind 6 bis 10 % des Wachsgewichts, ohne das Maximum aus dem Datenblatt zu überschreiten. 8 % sind für die meisten Duftöle ein guter Ausgangswert.
Wie berechne ich die benötigte Duftölmenge?
Multipliziere das Wachsgewicht in Gramm mit dem Prozentsatz. 300 g Wachs mit 8 % ergeben zum Beispiel 24 g Duftöl. Wiege das Öl immer ab.
Duftet eine Kerze mit mehr Duftöl stärker?
Nicht unbedingt. Über der Aufnahmegrenze des Wachses schwitzt das Öl aus und die Kerze kann rußen, ohne stärker zu duften. Reifezeit und der passende Docht sind wichtiger.
Muss ich das Duftöl unter seinem Flammpunkt zugeben?
Nein. Der Flammpunkt ist ein Sicherheitswert für Lagerung und Transport. Gib das Duftöl bei der vom Wachshersteller empfohlenen Temperatur zu, abseits der Hitzequelle.
Kann ich ätherische Öle und Duftöle mischen?
Ja, solange beide kerzengeeignet sind und die Gesamtmenge weder die Höchstdosierung des Wachses noch die Grenzen aus den Sicherheitsdatenblättern überschreitet.