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Der Docht ist der Motor deiner Kerze. Du kannst das beste Wachs und ein wunderschönes Duftöl verwenden – ist der Docht zu klein, brennt die Kerze einen Tunnel und ertränkt sich selbst; ist er zu groß, rußt sie, das Glas wird zu heiß und der Duft verbrennt, bevor er den Raum erreicht. Die gute Nachricht: Die Dochtwahl ist kein Glücksspiel. Sie hängt an einer Handvoll Faktoren, die du im Griff hast. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie wir sie gegeneinander abwägen – und vor allem, wie du deine Wahl mit einem sauberen Brenntest absicherst. Konkrete Produkte findest du in unserer Docht-Übersicht.
Was ein Docht eigentlich macht
Die Flamme verbrennt nicht den Docht, sondern das Wachs. Die Hitze schmilzt das Wachs rundherum, der Docht saugt es durch Kapillarwirkung nach oben wie ein Schwamm, und an der Spitze verdampft das flüssige Wachs und verbrennt. Deshalb bestimmt die Dochtgröße, wie viel Wachs pro Minute »gepumpt« wird – und damit die Flammenhöhe, die Breite des Schmelzpools und die Temperatur des Gefäßes.
Bei der Dochtwahl suchst du ein Gleichgewicht: eine ruhige Flamme, die die gesamte Oberfläche in vernünftiger Zeit bis zum Rand schmilzt, ohne Rauch, ohne übergroßen Kohlepilz und ohne dass das Glas gefährlich heiß wird. Alles andere – Serie, Stärke, Anzahl der Dochte – sind nur Werkzeuge, um dorthin zu kommen.
Die gängigsten Dochtserien
Dochte werden in Serien eingeteilt, je nachdem, wie sie geflochten sind und ob sie Papierfäden oder andere Verstärkungen enthalten. Jede Serie hat ihre eigene Nummerierung, und die Nummern sind zwischen den Serien nicht vergleichbar: Ein CD 10 entspricht keinem ECO 10. Innerhalb einer Serie gilt: höhere Nummer, dickerer Docht, größere Flamme.
| Serie | Aufbau | Passende Wachse | Stärken |
|---|---|---|---|
| ECO | Flache Baumwolle mit feinen Papierfäden | Soja, Raps, Kokos, pflanzliche Mischungen | Ruhige Flamme, kaum Pilzbildung, ideal für Einsteiger |
| CD | Flache Baumwolle mit eingeflochtenen Papierfäden | Soja, Paraffin, zähflüssige Wachse | Selbstkürzend, verträgt schwere Duftöle |
| HTP | Flache Baumwolle mit Papierfäden, dichter geflochten | Zähe Pflanzenwachse, Paraffin, Stumpenkerzen | Heiße Flamme, schmilzt schwierige Wachse gut |
| LX | Flachgeflecht mit Stabilisierungsfäden, ohne Papier | Paraffin, Mischungen, Soja im Glas | Biegt sich und kürzt sich selbst, sehr wenig Ruß |
| Holz | Holzspan, einfach oder mehrlagig | Kokos, Soja, weiche Mischungen | Knistern, breite Flamme, schöne Optik |
| Rundgeflochtene Baumwolle | Rund- oder Vierkantgeflecht aus reiner Baumwolle | Bienenwachs, Stumpen- und Stabkerzen | Steif, ideal für harte Wachse und freistehende Kerzen |
Für die erste Sojakerze im Glas sind ECO-Dochte am gutmütigsten: Sie verzeihen kleine Fehler und bilden kaum Pilze. Arbeitest du mit zähem Wachs oder viel Duftöl, haben CD-Dochte und HTP-Dochte mehr Zugkraft. Holzdochte sind eine eigene Welt: Sie brauchen ein gut fließendes Wachs und einen sehr kurzen Schnitt, belohnen dich aber mit einem tollen Effekt.
Der Gefäßdurchmesser gibt den Ton an
Der wichtigste Faktor ist der Innendurchmesser des Glases oder der Kerze, gemessen an der Öffnung (bzw. an der breitesten Stelle, wenn sich das Gefäß weitet). Der Docht muss bis zum Rand schmelzen, sonst tunnelt die Kerze schon ab dem ersten Anzünden. Als grobe Orientierung:
| Innendurchmesser | Typischer Ansatz |
|---|---|
| Unter 5 cm | Ein Docht aus den kleinen Größen der Serie |
| 5–7,5 cm | Ein kleiner oder mittlerer Docht |
| 7,5–9 cm | Ein mittlerer oder großer Docht |
| 9–10 cm | Ein großer Docht oder zwei kleine |
| Über 10 cm | Zwei oder drei Dochte |
Die Tabelle ist ein Startpunkt, kein Rezept. Die Dochttabelle des Herstellers, unser Dochtrechner und dein eigener Brenntest haben das letzte Wort. Achte auch auf die Höhe: In sehr hohen Gläsern bekommt die Flamme nach unten hin weniger Sauerstoff, deshalb lohnt es sich oft, eine Größe höher zu starten; in flachen, breiten Dosen wird die Flamme dagegen eher größer.
Die Wachsart verändert die Größe
Jedes Wachs hat eine eigene Viskosität und einen eigenen Schmelzpunkt – das beeinflusst, wie leicht es im Docht nach oben steigt:
- Soja- und Rapswachs: zähflüssiger, brauchen meist einen Docht eine Nummer größer als Paraffin im selben Glas.
- Kokoswachs und Kokosmischungen: fließen sehr gut und schmelzen schnell; oft reicht ein kleinerer Docht.
- Bienenwachs: dicht und mit hohem Schmelzpunkt; braucht kräftige geflochtene Baumwolldochte, meist mehrere Größen über dem, was du für Soja nehmen würdest.
- Paraffin: brennt leicht und kommt mit fast jeder Serie zurecht; das tolerantste Wachs.
Du bist dir beim Wachs noch unsicher? Lies vor dem Dochtkauf unseren Ratgeber welches Kerzenwachs du wählen solltest – ein Wachswechsel bedeutet fast immer einen neuen Test.
Duftöl, Farbe und Zusätze
Alles, was du ins Wachs gibst, wandert auch durch den Docht. Ein hoher Duftölanteil, besonders bei schweren Ölen (Vanille, Amber, Hölzer), kann den Docht verstopfen und eine Nummer größer nötig machen. Manche sehr leichte Öle bewirken das Gegenteil und vergrößern die Flamme. Halte dich immer an die Höchstdosierung aus dem Sicherheitsdatenblatt des Lieferanten; mehr dazu in unserem Ratgeber zur Duftöl-Dosierung.
Zu viel Farbe, vor allem Pigmente und Mica, kann den Docht zusetzen und zu kleinen, flackernden Flammen führen. Verwende spezielle Kerzenfarben in möglichst niedriger Dosis und lass Mica aus dem Wachs von Kerzen heraus, die brennen sollen. Auch Zusätze wie Stearin oder Vybar verändern das Brennverhalten: Jede Änderung am Rezept ist ein Grund für einen neuen Test.
Wann zwei oder mehr Dochte sinnvoll sind
Ab etwa 9–10 cm Durchmesser reicht ein einzelner Docht meist nicht mehr aus – oder er wird so groß, dass die Flamme hoch und unruhig brennt. Zwei kleinere Dochte verteilen die Hitze und sorgen für einen gleichmäßigeren Schmelzpool. Ein paar Faustregeln:
- Setze die Dochte mit gleichem Abstand zur Mitte und zum Rand; ein Dochthalter erspart dir viel Ärger.
- Beim Doppeldocht eine bis zwei Größen kleiner wählen als bei einem Einzeldocht: Die Flammen heizen sich gegenseitig auf.
- Achte darauf, dass sich die beiden Flammen nicht berühren oder zueinander neigen; passiert das, stehen sie zu eng oder sind zu groß.
- In dicken Gefäßen aus Keramik oder Beton, die Wärme schlucken, hilft ein Doppeldocht, bis zum Rand zu schmelzen.
So machst du einen richtigen Brenntest
Keine Tabelle ersetzt den Brenntest. Mach ihn mit einer ausgehärteten Kerze (mindestens ein paar Tage, bei Pflanzenwachs besser ein bis zwei Wochen), immer unter Aufsicht, auf einer hitzebeständigen Unterlage und ohne Zugluft.
- Mehrere Varianten gießen: dasselbe Rezept mit zwei oder drei Dochtgrößen. Beschriften nicht vergessen.
- Docht kürzen auf etwa 5–6 mm, bevor du anzündest.
- Erstes Abbrennen: Lass die Kerze brennen, bis der Schmelzpool den Rand erreicht. Als Richtwert gilt etwa eine Stunde pro 2,5 cm Durchmesser, aber nie länger als 4 Stunden.
- Stündlich prüfen: Höhe und Ruhe der Flamme, Rauch, Pilzbildung an der Spitze, Tiefe des Schmelzpools und Temperatur des Glases (vorsichtig seitlich anfassen).
- Löschen, komplett abkühlen lassen und die Sitzungen bis zum Ende der Kerze wiederholen. Ein Docht, der oben perfekt brennt, kann in der Mitte oder am Boden schwächeln.
Den Schmelzpool richtig deuten
- Voller Schmelzpool nach 3–4 Stunden, 1–1,5 cm tief: Docht passt.
- Schmelzpool erreicht den Rand nicht oder lässt eine Wachswand stehen: Docht zu klein; eine Größe höher.
- Sehr tiefer Pool (über 2 cm), hohe Flamme, Rauch oder sehr heißes Glas: Docht zu groß; eine Größe kleiner.
- Flackernde Flamme, die ertrinkt: Docht zu klein oder durch Duftöl bzw. Farbe verstopft.
Läuft etwas schief (Tunnel, Ruß, Löcher), findest du in unserem Ratgeber zu Kerzenproblemen die häufigsten Ursachen und Lösungen.
Docht kürzen und pflegen
Auch der richtige Docht braucht etwas Pflege. Kürze ihn vor jedem Anzünden auf etwa 5–6 mm (Holzdochte kürzer: etwa 3–5 mm). So bleibt die Flamme im Rahmen, und du vermeidest schwarzen Rauch und Rußränder am Glas. Eine Dochtschere kommt mühelos bis auf den Boden hoher Gläser, und wenn du verkohlte Reste entfernst, fallen sie nicht ins Wachs.
Denk an die Grundregeln: Lass eine brennende Kerze nie unbeaufsichtigt, brenne sie nicht länger als 4 Stunden am Stück und lösche sie, wenn noch etwa 1–1,5 cm Wachs im Glas sind. Mit dem richtigen Docht und diesen Gewohnheiten brennen deine Kerzen sauber und duften so, wie sie sollen.
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Häufige Fragen
Welcher Docht eignet sich für Einsteiger mit Sojawachs?
ECO-Dochte sind für Sojakerzen im Glas am einfachsten: ruhige Flamme und kaum Pilzbildung. CD- und HTP-Dochte funktionieren ebenfalls gut, wenn du viel Duftöl oder ein sehr zähes Sojawachs verwendest. Teste in jedem Fall zwei oder drei Größen.
Woran erkenne ich, dass mein Docht zu groß ist?
Hohe oder tanzende Flamme, schwarzer Rauch, großer Pilz an der Spitze, ein Schmelzpool tiefer als 2 cm und ein sehr heißes Glas. Nimm eine Größe kleiner und teste erneut.
Kann ich denselben Docht behalten, wenn ich das Duftöl wechsle?
Manchmal ja, aber verlass dich nicht darauf. Schwere oder stark vanillehaltige Duftöle können den Docht zusetzen. Bei jedem Wechsel von Wachs, Duft, Farbe oder Gefäß solltest du neu testen.
Wie lange sollte ein Brenntest dauern?
Idealerweise brennst du die ganze Kerze in Sitzungen von bis zu 4 Stunden ab und lässt sie dazwischen vollständig abkühlen. So siehst du, wie sie sich oben, in der Mitte und am Boden verhält.
Wie kurz sollte ich den Docht schneiden?
Etwa 5–6 mm bei Baumwolldochten und 3–5 mm bei Holzdochten – immer bei kalter Kerze und vor jedem Anzünden.